Giotto – ein Revolutionär des Mittelalters

Gleich vorweg: bei Giotto di Bondone handelt es sich nicht um einen typischen Farb-Maler im engeren Sinne. Doch wie der toskanische Künstler (1267-1337) mit den Farben umgeht, ist noch heute interessant.

Giotto lebte in einer Zeit. als viele Neuerungen in die Malerei eingeführt wurden. Am Anfang seiner Karriere waren noch Heiligenbilder auf Goldgrund bestimmend. Sie standen noch sehr deutlich in der Tradition der byzantinisch beeinflussten Malerei im Stil orthodoxer Ikonen.
Byzanz, das spätere Konstantinopel und heutige Istanbul war ein zweites, das Ost-Rom. Von dort gingen ähnliche Ansprüche auf ein Weltreich und die religiöse Herrschaft aus.


Für die Kunst ist interessant, dass die bildlichen Darstellungen in jener Zeit recht strenge Vorgaben hatten. Damit die dargestellten Heiligen richtig erkannt wurden, hatte sie typische Attribute. Anhand dieser symbolischen Gegenstände waren sie gut eindeutig zu identifizieren.
Um zu unterstreichen, dass es sich hier um Wesen aus einer anderen Welt handeln sollte, wurden die Figuren vor einem undurchdringlichen, erhabenem und vergoldetem Bildgrund gestellt – und gerade nicht in einem nachvollziehbarem, realistischen Raum. Giotto, der am Ende des Mittelalters in Florenz lebte, gab sich damit nicht mehr zufrieden. Schliesslich gingen vor dort revolutionäre Veränderungen aus. Sein Interesse und geschickter Umgang mit der Farbe erkennt man bereits in der Washingtoner Madonna mit dem Kind.

Assisi, um 1299

Durch geschickte Untermalungen in den Fresken, gerade in Assisi (Basilika des Heiligen Franziskus), aber auch in Padua in der Kapelle der Scrovegni. gelingt es ihm regelrecht Frische in den Raum zu zaubern. Durch übereinander liegende Farbschichten, die gemeinsam und im ganzen Raum wirken, schafft er es für farbliche Tiefe zu sorgen.

Grablegung Mariens um 1310 Ausschnitt Gemäldegalerie Berlin

In weiteren Gemälden verfeinert er sein Gespür für Farben noch zusätzlich. So erkennt man im Berliner Werk der Grablegung Mariens bereits, dass er mehrere Farben dadurch gemeinsam wirken lässt, dass er sie in halbtransparenten Schichten übereinander legt.
Ganz nebenbei werden die Figuren in seinen Bildern nun auch richtig lebendig. Sie bekommen individuelle Gesichtszüge und sind nicht mehr nur Figuren vom „Typ Engel“. Der eine pustet sich den Weihrauch aus dem Gesicht, andere sind erschrocken, der nächste liest. So bekommen die Bilder einen gewissen Unterhaltungswert. Sie zeigen lebendige Menschen in Aktion.

Grablegung Mariens um 1310 Ausschnitt Gemäldegalerie Berlin