Gotthard Graubner – Wenn Farbe vom Bild in den Raum kommt

Seine bekannteste Werkserie nannte Graubner Farbraumkörper. Sogar beim Bundespräsident hängen seine Farbkissen.

Die Farbraumkörper sind große wattierte Leinwände. Ihre Weichheit ist anziehend. Und ihre Farbigkeit strahlt in den Raum aus.

Ohne Titel, 1970/ 1982

Der Künstler hat für seine großformatigen Bildern nicht wie üblich die Leinwand direkt auf den Keilrahmen gespannt. Dazwischen liegen dicke Kissen aus Watte. Gotthard Graubner gehört zu den reinen Farb-Malern. Seine Bilder brauchen keine klar umrissenen Formen. Zu sehen bekommt man eher Farbwolken. Ins Bild gelangen sie durch viele Schichten übereinander gelegter Farbe. Die Oberfläche zeigt eher einen Farbhauch. Doch die Bilder sind nicht nur zart, sondern auch stark. Denn die Farbe strahlt deutlich in den Raum aus.

Gotthard Graubner (1930-2013) gehört zu den Künstlern, die wie Gerhard Richter, Guenther Uecker, Sigmar Polke und Georg Baselitz zwischen DDR und BRD gelebt und gearbeitet haben und zu denen, die sowohl auf der Kasseler Documenta wie der Biennale in Venedig ausgestellt wurden.

Seine Werke faszinieren durch ihren Umgang mit dem Bild als Objekt und mit der Farbe. Graubner gelingt es, Kunstwerke zu schaffen, die über die Begrenzung der Bildfläche hinaus wirken. Das liegt nicht nur daran, dass die Wattierung dem Bild neben Höhe und Breite die dritte Dimension der Tiefe verleiht, mit der das Werk in den Raum greift.

Kissenbild 1970

Die vielen scheinbar ins Unsichtbare versickerten Schichten Farbe wirken wohl doch noch mit, wenn das Bild angeleuchtet wird. Denn aus dem Bild strahlt die Farbe wie ein sanfter Scheinwerfer. Man sollte sich also Raum und Zeit nehmen, der Wirkung dieser Werke auf die Umgebung nachzuspüren. 

In den Museen ist es die Aufgabe der Kuratoren, für die Erhaltung der Werke zu sorgen. Als man im Nürnberger Museum versuchte Graubners Farbkissen durch Hüllen aus Plexiglas vor Umwelteinflüssen zu schützen, führte dies zu Problem. Denn die Farbraumkörper müssen atmen.